Robert Reszner

erdzeitverzoegerung

foto: wolfgang sohm

der erdzeitverzögerer

1999 I edelstahl

 

in dieser arbeit beschreibt robert reszner den umgang und vorgang von serieller produktion und kompostgewinnung

anhand eines von ihm entwickelten möglichen multiples. dieses multiple hat werkzeugcharakter und entspricht den

fertigkompostierern, wie sie in baumärkten und gartenbauketten angeboten werden.
das eigentliche geschehen umgibt das objekt bzw. durchläuft es. zur befüllung werden stahlplatten in dafür vorgesehene

führungen gesetzt, um eine selbstständige stabilisierung des an sich losen materials zu erreichen. mit dem ende der

befüllung werden diese platten entfernt, was eine beschleunigte verwitterung ermöglicht und auch mit dem verfallsprozess

ein selbstständiges verlassen von humus aus dem gitterkäfig ermöglicht. der sinn scheint simpel, der zerfall löst diesen

sinn auf. was bleibt, ist der in der natur befindliche vorgang, der aufgehalten von dem artefakt, also mit einer

“erdzeitverzögerung” die skulptur durchläuft.
reszner beschreibt dabei zwei geschwindigkeiten, die in einer temporär stabilisierenden form zusammmen kommen.

der zyklus der natur im lauf der jahreszeiten, der mit seinem werden und vergehen auch in der kompostierung zu nutzen

geführt wird, sowie eine sich diesem vorgang anpassende technoide struktur, die als gebilde durchblick erlaubt als auch

verschließen kann, letztlich aber als ein blickfang unsere betrachtung hält, die sonst dem naturgeschehen geltend,

in einem stahlgefäss eine vorstellung seiner nutzung erhält.

text: wolfgang sohm